Interventionelle Strahlentherapie (Brachytherapie)

Strahlenklinik

Direktor:
Prof. Dr. med. Rainer Fietkau

Strahlentherapie auf den Punkt gebracht

Seit über 90 Jahren rücken die Erlanger Experten für Strahlentherapie dem Krebs auf die Pelle: Sie bestrahlen den Tumor ganz gezielt vor Ort und schonen so gesundes Gewebe. Heute kommen Patienten aus ganz Europa zur Behandlung nach Erlangen.

„Die Anfänge unserer Arbeit liegen tatsächlich in den 1920er-Jahren“, erläutert Prof. Dr. Vratislav Strnad, leitender Oberarzt der Strahlenklinik (Direktor: Prof. Dr. Rainer Fietkau) des Uni-Klinikums Erlangen, und deutet auf einige Schwarz-Weiß-Fotos. Darauf halten zwei Frauen in langen weißen Kleidern eine kastenförmige Apparatur über den Patienten und das schlichte Steuerpult wird dominiert von vier großen schwarzen Knöpfen. „Man spricht von der 'Erlanger Schule', da die hiesigen  Strahlenexperten die Pioniere auf ihrem Gebiet waren. So altertümlich das auf diesen Bildern wirkt: Unsere Abteilung für interventionelle Strahlentherapie zählt heute zu den modernsten und größten Einrichtungen dieser Art in ganz Deutschland. Außerdem gehören wir mit unseren Behandlungs- und Forschungsergebnissen europaweit zu den Besten."

Der moderne Neubau für die Brachytherapie öffnete 2010 seine Pforten und 400 Patienten werden hier jährlich behandelt.

Im Jahr 2010 bezogen Prof. Strnad und sein Team den 682 m2 großen Neubau in der Universitätsstraße, in dessen modern ausgestatteten Räumen jährlich rund 400 Patienten behandelt werden – Tendenz steigend.

Denn von der Brachytherapie, wie die interventionelle Strahlentherapie auch bezeichnet wird, können Patienten mit ganz unterschiedlichen Krebserkrankungen profitieren: beispielsweise Brust- und Prostatakrebs, Tumoren im Kopf-Hals-Bereich, gynäkologische Tumoren, Sarkome sowie zahlreiche seltene Tumoren (wie z.B. Peniskarzinom, Analkarzinom, o.ä.)

„Mit unseren Techniken ist es möglich, den Menschen zu heilen und dabei so wenig gesundes Gewebe wie möglich zu schädigen“, beschreibt Vratislav Strnad die Vorteile der Behandlungsmethode. „In vielen Fällen sind wir in der Lage, das betroffene Organ und seine Funktion zu erhalten.“ Dies gelingt, weil ganz gezielt bestrahlt wird: meist über Nadeln oder spezielle Plastik-Mini-Katheter, die in den Körper und direkt in das erkrankte Gewebe eingebracht werden. Da die Bestrahlung somit unmittelbar vor Ort erfolgt, dauert sie nur einige Minuten und belastet den Körper deutlich weniger als eine konventionelle Radiochemotherapie. Und weil die Nadeln aus biegsamem Plastik bestehen, machen sie Körperbewegungen einfach mit: „Die Dosis kommt immer da an, wo sie hin soll – egal, wie der Patient gerade liegt“, veranschaulicht Prof. Strnad.

Volle Konzentration auf den Krebs

Eine Brustkrebspatientin reiste extra aus Oldenburg an, um sich in Erlangen von Prof. Strnad behandeln zu lassen.

Die Patienten der Erlanger Strahlenklinik kommen inzwischen aus ganz Deutschland: Teils werden sie von ihren Ärzten auf die Behandlungsmöglichkeiten am hiesigen Universitätsklinikum hingewiesen – teils recherchieren sie selbst im Internet nach Alternativen zur konventionellen Operation und/oder Radiotherapie. „Die Brachytherapie ist kein Allheilmittel“, dämpft Prof. Strnad allzu euphorische Erwartungen. „Kurieren können wir nur bei bestimmten Indikationen. Die interventionelle Strahlentherapie kann eine außerordentlich präzise sowie sehr schonende Methode beispielsweise bei kleinen Tumoren in Brust und Prostata sein – bei größeren Geschwülsten setzen wir hingegen auf die Kombination mit der Bestrahlung von außen.“ Am Beispiel des Mammakarzinoms wird außerdem gut ersichtlich, wie punktgenau mithilfe der Brachytherapie bestrahlt werden kann: Bei günstigen Voraussetzungen folgt auf die brusterhaltende Operation die Applikation einer konzentrierten Dosis Iridium-192 via Plastik-Mini-Katheter direkt in das verbliebene Brustgewebe. „Der Vorteil von Iridium-Strahlung besteht darin, dass sie exponentiell zur Distanz abnimmt. Das heißt, dass sie am Ursprungsort sehr stark ist und dann sehr schnell abnimmt“, erklärt Vratislav Strnad. „Wir schonen somit nicht nur die Haut und das gesunde Gewebe der Brust selbst, sondern auch Herz und Lunge, die in direkter Nachbarschaft liegen.“ Beim Prostatakarzinom gilt Gleiches für Enddarm sowie Harnblase und es kommt hinzu, dass die Risiken für Inkontinenz sowie Impotenz deutlicher kleiner sind als bei der konventionellen OP. Insbesondere Patienten mit seltenen Tumoren, z. B. einem Penis- oder einem Analkarzinom, wenden sich gerne an die Spezialisten in der Hugenottenstadt – ebenso wie Patientinnen mit gynäkologischen Tumoren: Auf diesem Gebiet weisen die Erlanger Strahlentherapeuten große Geschicklichkeit und besonders viel Erfahrung auf – schon seit den Anfängen in den 1920er-Jahren.

 
Verantwortlicher Oberarzt
Prof. Dr. V. Strnad
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Position: Leitender Oberarzt
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