Therapie des Mammakarzinoms

Strahlenklinik

Direktor:
Prof. Dr. med. Rainer Fietkau

Eine präzise und schonende Form der Strahlentherapie nach brusterhaltender Operation wegen Brustkrebs

Die Brachytherapie stellt eine strahlentherapeutische Spezialmethode dar, die es ermöglicht, die erkrankte Stelle in der Brust so präzise zu bestrahlen, dass benachbarte Gewebe und Organe nicht belastet werden. Dabei bringt man in das Gewebe der Brust, wo das Risiko eines Tumorrückfalls besonders hoch ist, auf operativem Wege die Strahlenquelle ein (sog. interstitielle Brachytherapie).

Die interstitielle Brachytherapie ist bei Mammakarzinom-Patientinnen in zwei Situationen angezeigt:

1. Als Dosisaufsättigung (Boost) nach der üblichen postoperativen perkutanen Homogenbestrahlung der Brust am Ort des besonderen Rückfallrisikos.

2. Als alleinige strahlentherapeutische Modalität nach einer brusterhaltenden Operation, auch Teilbrustbestrahlung (APBI, Accelerated Partial Breast Irradiation) genannt.

Bei der interstitiellen Brachytherapie des Brustkrebses werden nach der Tumorentfernung zunächst dünne Plastikkatheter unter Durchleuchtungskontrolle in die Umgebung der Resektionshöhle eingebracht. Das geschieht in Kurznarkose und dauert etwa 15 Minuten. Anschließend verbleibt die Patientin weiterhin in der Abteilung für interventionelle Strahlentherapie, wo dann auch die eigentliche Bestrahlung erfolgt. Die Plastikkatheter (Tubes) werden an ein sog. Afterloading-Gerät angeschlossen, das eigentliche Bestrahlungsgerät. Es führt, wenn das Personal den Bestrahlungsraum verlassen hat, den Strahler nacheinander in die Tubes ein, so dass das „Tumorbett“ sozusagen von innen bestrahlt wird. Nach Abschluss des Bestrahlungsvorganges zieht das Afterloading-Gerät die Strahlungsquelle wieder in den Tresor zurück. Auch die Plastiktubes werden entfernt; dies geschieht ohne Narkose und ist schmerzfrei.

Erfolgt nur eine Boostbestrahlung mit relativ geringer Dosis, kann die Patientin schon am selben oder nachfolgenden Tag die Klinik verlassen. Von ihrem Körper geht keinerlei Strahlung mehr aus. Im Fall einer alleinigen Brachytherapie dauert die Bestrahlung 4-5 Tage. In der Regel bleibt die betreffende Patientin von Montag bis Freitag in unserer Klinik.

In Erlangen wird die Brachytherapie des Mammakarzinoms ausschließlich mit Iridium-192-Strahlern im PDR- oder HDR-Afterloading-Verfahren durchgeführt. Dies erlaubt, die Verteilung der Strahlendosis im Zielgebiet so zu optimieren, dass Über- und Unterdosierungen jeglicher Art vermieden werden.

Beurteilung

Unsere langjährige Erfahrung zeigt in Übereinstimmung mit anderen europäischen und amerikanischen Kliniken, dass bei einer sehr strengen Auswahl der für diese Strahlenmethode geeigneten Patientinnen die Behandlungsergebnisse denjenigen mit der herkömmlichen, großvolumigen Homogenbestrahlung der Brust von außen ebenbürtig sind. Geeignet für diese Methode der Teilbrustbestrahlung sind Frauen, die aufgrund definierter Prognoseparameter (Tumorgröße, Tumorbeschaffenheit, Wachstumsmuster, Hormonrezeptorstatus, kein Lymphgefäß- oder Lymphknotenbefall etc.) ein geringes Rückfallrisiko in der verbliebenen, nicht bestrahlten Restbrust haben.

Die Vorteile für die Patientin durch die interstitielle Brachytherapie liegen in der genau justierbaren Dosisverteilung, der Hautschonung und nicht zuletzt auch in einer deutlichen Verkürzung der Behandlungszeit.

Zusammenfassung

Die Brachytherapie des Brustkrebses stellt eine bewährte Behandlungsmethode dar. Sie ermöglicht eine schonende und präzise postoperative Strahlenbehandlung nach brusterhaltender Entfernung der Krebsgeschwulst. Das gilt einmal für die Dosiseskalation nach Homogenbestrahlung der Brust, aber auch als alleinige strahlentherapeutische Modalität (Teilbrustbestrahlung [APBI, Accelerated Partial Breast Irradiation]) bei dafür speziell ausgewählten Patientinnen. Ob Sie zu diesem Patienten gehören sprechen Sie bitte mit den Ärzten unerer Abtelung für interventionelle Strahlentherapie ab.